Die Preisträger

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Zur Preisverleihung und Finissage des Windkunstfestivals gab es ein Fest mit vielen Künstlerinnen und Künstlern, Sponsoren, Politikern, Helfern und Ausstellungsbesuchern im Windpark Istha. 
„Blech & Schwefel“ aus Kassel trugen mit ihrer Gute-Laune-Freiluft-Musik zur Feststimmung bei.

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Grußworte überbrachten der Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Harald Kühlborn für den Landkreis Kassel, Martin Rühl für die SUN-Stadtwerkeunion Nordhessen und Wolfgang Hensel als Ortsvorsteher Istha. Der Funke für die Faszination Windkunst in Landschaft scheint übergesprungen. Die Redner sagten schon jetzt Unterstützung und Förderung für den 7. bewegten wind vom 17.-31.8.2014 zu. Der Verein zur Förderung von Windkunst und interkultureller Kommunikation nahm das mit Freude zur Kenntnis. Ein großes Dankeschön ging an alle, die das Windkunstfestival unterstützt, gefördert und begleitet haben, allen voran die Künstlerinnen und Künstler. Ohne dieses Netzwerk auf allen Ebenen wäre „bewegter wind“ nicht möglich.

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Martin Rühl (SUN-STadtwerkeunion Nordhessen), Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Galeristin Ulrike Petschelt, Kuratorin Reta Reinl, Wolfgang hensel (Ortsvorstehr Istha), So Young Kim (2.Preis), Harald Kühlborn (Landkreis Kassel), PJ Bruyniks (3.Preis)

Die Preisjury mit Juroren den Juroren Dietmar Baurecht, Kreativwirtschaft Burgenland (Österreich), Künstlerin Patricija Gilyte (Litauen) und Galeristin Ulrike Petschelt, Kassel haben insgesamt vier Preisträgerinnen und Preisträger ermittelt. Neben den Kunstpreisen wurde der Sonderpreis „SUN- der Preis“ für besondere künstlerische Leistung übergeben.

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Preisjury: Dietmar Baurecht (A), Patricija Gilyte (D/LT), Ulrike Petschelt (D/F)

Es gab fast 140 Bewerbungen aus 18 Ländern und allen fünf Kontinenten. Die Werke spielen assoziativ und etymologisch mit dem Thema Wind und führen weit über die Meteorologie hinaus. Der Wind, das Plaudern und Flüstern – das schlussendlich auch Luft in Bewegung setzt – die Atmosphäre, die ein Sprechen und Hören erst ermöglicht, und vielgestaltige Emotionen, die u.a. zur Besinnung und zum Erinnern einladen, sind Bestandteile der Arbeiten.

Das Aussenden und Entfalten einer Botschaft, die Eigenständigkeit, deren Aussagen sowohl im regionalen als auch im internationalen Kontext tragend sind, waren der Jury als Kriterium wichtig.

1. Preis

1. Haiyuang Wang, China für „Media“

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In einer Holzkiste verpackt und auf einem weißen Sockel mitten im Rapsstoppelfeld aufgestellt verließ der Inhalt dieser ephemeren Skulptur, nämlich tausende von kleinen mit Smileys und Tagesdaten bedruckte Zettelchen, mithilfe des Windes seinen Platz und all die kleinen Papiere bedeckten allmählich den Boden. Diese Geste ist in den Innenraum nicht übertragbar und erlebbar. Gerade die meteorologischen Bedingungen und der Wind selber verteilten die hauchdünnen farbigen Papierstücke und formten sie zu einem neuen Feld. Im Regen durchnässt lösten sie sich jedoch nicht auf. Diese Arbeit operiert auf verschiedenen Ebenen des Unausgesprochenen.

Es ist ein Zeichen des vegetatives Widerstands, des Durchhaltevermögens, einer subtilen Ironie, die - trotz der auf die Papierzettelchen gedruckten smiley Zeichen - etwas durchaus Nachdenkliches und Melancholisches hatten.

CV Haiyuan Wang: born in Nov 5, 1973 Qinghai Province . Working in Beijing since 2002www.wanghaiyuan.net


2. So Young Kim, Korea : “Plauderer”
   

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2. Preis: Ein dunkles Waldstück und große alte Laubbäume, kurz vor einer lichten Anhöhe bieten den Plauderern einen geheimnisvollen adäquaten Unterschlupf und weiten Raum für den Betrachter, der sich mit diesen, meist paarweise in den Bäumen hängenden, aus bunten Stoffen genähten Puppen eingehendst beschäftigen kann . Diese von SoYoung Kim geschaffenen, in ihrem sich ähnelnden Aussehen, aber durch verschiedene Stoffen und  Formveränderung individuell gestalteten, hängenden Puppen treten offensichtlich in Kommunikation: Die Paare und Gruppen bewegen sich leicht im Wind und man meint zuweilen, sie flüstern hören zu können. Doch so manche scheint aus dieser Kommunikation ausgeschlossen. Liegt das vielleicht an dem ihr fehlenden Bein oder gar an ihrem aufgedunsenem Bauch? Unter den vielen Plauderern stehend ließ sich manchmal ein beklemmendes Gefühl nicht vermeiden und wir fühlten uns als Betrachter selbst unter Beobachtung. Bei der Arbeit “Plauderer” war der Wind, der in den anderen Arbeiten schnell erkennbar war, auf den ersten Blick gar nicht zu spüren; diese Installation hat einen intimen und fast windstillen Raum geschaffen, der gerade durch die Abwesenheit des Windes wiederum die Atmung des Individuums als eine Windbewegung verdeutlichte. Die Jury bewertet diese Arbeit in ihrer konzeptionellen und stringenten Umsetzung für den zweiten Platz würdig.

CV geb. 1982 in Korea http://thesoyo.com/xe/exhi

 

2001-2005 Studium Hongik University Seoul, South Korea
2005 Batchelor Fine Arts
2006 Kunstgeschichtsstudium in Würzburg
2007 Kunststuium AdBK bei Prof Claus Bury
2011 Studium bei Prof Michael Stevenson

3. PJ Bruyniks, Niederlande: „Dug out with people in excitement“

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3. Preis: Es erscheint, als würden in den Lüften bewegende Pfeile auf den Betrachter zusteuern. Pfeile, die die Luft umgrenzen, in der die eigentliche bewegte Emotion herrscht, die auch durch den immer wieder darüber gleitenden Wind angestachelt wird. "Dug-out with People in exitement" von Pieter Joost Bruyniks zeigt Emotionen dreier Silhouetten, die, in Form von in den Raum stehenden Pfeilstäben, auf einer Ersatzbank im Fußballstadium verewigt wurden. Diese Bank, Sinnbild voller Emotionen im Augenblick des hektischen Geschehens eines Fußballspiels, liegt nun vor einer ruhigen Naturlandschaft, zeigt aber durch die künstlerisch eingesetzten Mittel von Medien wie Wind und verschiedenfarbig gebeizten Bambusrohren die breite Palette von Ärger bis Freude. Die Jury zeichnet diese drei luftigen Conditions mit dem dritten Preis aus.

PJ Bruyniks: CV

1962             Born in Dordrecht as Pieter Joost (usually nicknamed PJ)
1981           First sale, first commission and first exhibition
1982           Decided to be a painter in Amsterdam
1986/2005  (side-)job took a lot of time
2006           Again decided to be a painter
2007           Started with initiating and organizing art events and projects
2008           Started with making installations and later also sculptures
2008/2009  Member of the former collective Het Kattenbak Collectief. 

2008/now    Student at the art academy Gerrit Rietveld Academie/DOGtime

www.pjbruyniks.nl

SUN-der Preis: David Adamko, Ungarn & Holly Streekstra, USA: “Gloomy Sunday”

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Gloomy Sunday ist der englische Titel des 1933 von dem ungarischen Pianisten Rezső Seress komponierten Liedes Szomorú Vasárnap (Ungarisch für „Trauriger Sonntag“).

Seress war jüdischer Herkunft. Sein Name wurde in Ungarn magyarisiert. Als Jude wurde er während des Zweiten Weltkriegs von den Ungarn zur Zwangsarbeit in der besetzten Ukraine verurteilt. Seress schrieb das Lied in tiefster Betrübtheit im Oktober 1932. Anlass war, dass seine Verlobte ihn verlassen hatte. Kein Glück hatte er bei diversen Verlagen, die sich weigerten, das Lied zu vertreiben, weil es zu melancholisch sei. Das Lied „gloomy Sunday“, durch die Interpretation von Billy Hollyday weltbekannt geworden, spielte letztlich Geld und Rum ein, allerdings nach dem Tod seines Urhebers. Seress beging im Januar 1968 Selbstmord.

In dieser poetischen Arbeit von Adamko und Streekstra überträgt das Medium Wind zunächst die Zeichen der Trauer und zieht damit den näher kommenden Betrachter in die melancholische, emotionale Ebene der Musik, die die in einem anderen Land erlebte und erzählte Geschichte zu neuem (Er)- Leben erweckt. Der Wind überträgt die plastische als auch die audio-visuelle Botschaft und verweist mit dezenten Mitteln auf eine individuelle Geschichte, die hier durch die präzise eingesetzten Medien von Natur und Kunst zu einem kollektiven Erlebnis wird. Eine quasi rekonstruierte Situation verweist auf die Unvergänglichkeit des Schmerzes. Löst sich Schmerz auf? Oder verteilt er sich nur im Wind und steigt unerhört in den Himmel?

David Adamko: geb.1976, Ungarische Akademie der schönen Künste 2003-2009, Glasgow school of art, 2007
Holly Streekstra:
2006            Master of Fine Arts, Sculpture, Louisiana State University, Baton Rouge, LA.
2001            Bachelor of Fine Arts, Studio Art, University of Minnesota, Minneapolis, MN.
Gegenwärtig: Consultant, HiggsField Contemporary Art Center, Budapest, Hungary

www.adamkodavid.com         www.hollystreekstra.net

2.9.2012  

Die Juroren:

Dietmar Baurecht, Österreich

geb. 1973. Handelsakademie, studiert Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien, Studienassistent, Akademischer Kulturmanager (Universität Wien), seit 2002 Kulturjournalist, seit 2003 Koordinator der Kreativwirtschaft im Burgenland (Österreich). Auftraggeber von LandArt-Workshops im Burgenland (2007 und 2009) mit Beteiligung von KünstlerInnen und Durchführung von LandArt-Vermittlungsprogrammen (Kinder und Jugendlichen). www.kreativwirtschaft.net/de

Patricija Gilyte, Deutschland und Litauen 

Patricija Gilyte, Preisträgerin 2008, ist eine litauische bildende Künstlerin, die seit 1998 überwiegend in Deutschland (München und Ulm) lebt. Nach dem Magister Artium (MA) Abschluss an der Kunstakademie Vilnius Kunstinstitut Kaunas in Litauen im Jahr 2000 setzte sie ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste München im Bereiche der Bildhauerei fort (Diplom 2005). Ihr visuelles Repertoire umfasst performative Skulptur, Videokunst sowie Installation. Patricija Gilyte arbeitet orts- und raumspezifisch und verschränkt diese Medien in ihren Arbeiten miteinander. Unterstützt durch zahlreiche Projektförderungen und Stipendien und bereichert durch art-in-residence Aufenthalte, wurden ihre Arbeiten in den Ausstellungen in Deutschland, Litauen, Türkei, Griechenland und anderen Ländern gezeigt. www.patricija-gilyte.net

Ulrike Petschelt, Deutschland und Frankreich
Ulrike Petschelt, betreibt eine Galerie in Kassel.

Kunsthandel und Kunstvermittlung, (Kultur-)Projekt-management und Ausstellungsorganisation: 

1985-1993                      Geschäftsführung der „Galerie Pasnic“, Paris

1993- 1995                     Geschäftsinhaberin des Antiquariats für Kunstgegenstände und

                                       Luxusmodeartikel „ZASKIA“, Paris

1995-1997                      Account- und Salesmanagement „T2B&H“, „Promo-Info“, Paris
1997                               Freie Mitarbeiterin bei der Gründung der Werbeagentur „Art-Dent“, Paris

1997- 1999                     Geschäftsführerin der Kunstgalerie „Le Monde de l’Art“, Paris

1998                               Leitende verantwortliche Organisation des „Evénement“ „Souvenir

                                       d’Emotions“ von Danielle Mitterand im „Plaza Athénée“, Paris   

2002- 2005                     Geschäftsinhaberin der „Kunstagentur Ulrike Petschelt“

2003- 2004                     Zebrastreifen-Projekt „Kunst beschützt Leben“ (mit Doris Gutermuth)

2007- 2010                     Geschäftsinhaberin der „Galerie Ulrike Petschelt“

                                       www.ulrike-petschelt.de

Juni 1983                       Abitur in Kassel, Engelsburg Gymnasium
seit 2007                        Studium der Kunstwissenschaften und Philosophie,

                                       Universität Kassel