1. Preis: „The suspension bridge in the cloud“ von Aleksei Dmitriev (Russland)

Eine Holzskulptur, fragil und faszinierend: Der Künstler Aleksei Dmitriev hat im Naturschutzgebiet Dörnberg Äste und Zweige gesammelt und daraus eine Skulptur erstellt. Ihre Form wirkt wie in die Landschaft hineingegossen – und bietet dem Betrachter aus jeder Perspektive und aus den unterschiedlichsten Fern- und Nahdistanzen eine stets neue Anmutung.

Die Inspirationsquelle des russischen Künstlers liegt in seiner Kindheit: Eine Erinnerung an Elektromasten und Drähte, deren Spitzen in einer tiefstehenden Nebeldecke verschwinden. Dies lässt an Walter Benjamins räumlich-kartografischen Erinnerungsbegriff denken. „Wer einmal den Fächer der Erinnerung aufzuklappen begonnen hat,  stößt in den Falten auf längst Vergessenes", schreibt der Deutsche Philosoph. Wie es Benjamin als Sammler der alltäglichen Dinge und Geschichten in seiner Figur des Flaneurs beschreibt, so findet auch Dmitriev Reste und Spuren der vom Wind, von Tieren oder Menschen abgebrochenen Äste. Aus diesem Material entwirft er eine offene und sich nie abschließende Skulptur in die Geographie der Landschaft. Die Falten seiner Kindheitserinnerungen, der Landschaft sowie der räumlichen Skulptur verschränken sich hierbei.